zu zweit mit Kopf nicht unten
Coolibri Dezember 2012

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung 22.10.2012

 Auf Irrfahrt durch den Text-Fundus

Theater als Kuriositätenkabinett: das „99cent THEATER“ gastiert im Haus Lotz

Von Lara Kirfel

„Zu zweit mit Kopf nicht unten“ - das klingt nicht nur arg verdreht, das ist es auch. Mit ihrer neuen Eigenproduktion bringen Boris Mercelot und Markus Draxler vom „99cent THEATER“ nicht mehr und nicht weniger als den personifizierten Irrsinn auf die Bühne.


Mit gesammelten Textauszügen aus Büchern, Zeitschriften, Ratgebern und dem Internet haben die freien Theaterschaffenden ein Kuriositätenkabinett zusammengestellt, das am Wochenende im Griesenbrucher Haus Lotz aufgeführt wurde. Slapstick mischt sich darin mit exotischen literarischen Fundstücken.


„Hoffen wir, dass es nur ihr Hunger nach Liebe und Anerkennung ist, der sie zu all diesem Treiben anfeuert, und nicht etwas Ernsthaftes.“ - so heißt es im Ankündigungstext. Und wer „Zu zweit mit Kopf nicht unten“ gesehen hat, merkt schnell, warum diese Bedenken angebracht sind. Als Clowns mit Pappteller-Masken betreten Draxler und Mercelot die Bühne und kaspern sich in einer einstündigen Irrfahrt durch ihren Text-Fundus. Ein Gedicht, das einer Erstklässlerfibel entsprungen scheint, sagen sie pennälermäßig auf. Nirvanas „Lithium“ wird pathetisch zum Besten gegeben. Aber auch: Abu Ghuraib-Folterszenen parodiert. Das ist komisch, zuweilen aber auch befremdlich – irritierte Blicke im Publikum sind keine Seltenheit. Doch das „99cent THEATER“ blödelt unbeirrt weiter und entwirft Absurdes Theater 2.0: Warten auf Godot meets Charly Chaplin. Als tanzende Eisbären erreichen sie schließlich den Höhepunkt: Mit umgeschnallten Flokati-Teppichen wirbeln sie über die Bühne, und enden schließlich am Boden als verausgabte Eisbären. Spätestens jetzt bleibt auch im Publikum kein Auge trocken.

 

Absurd blödelnde Avantgarde

Westdeutsche Allgemeine Zeitung 24.9.2012


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