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In das Logbuch (abgeleitet von Log, auch Logge; engl. log = [ursprünglich] Holzklotz) wird täglich alles auf die Seefahrt Bezughabende eingetragen und zwar: der gesteuerte Kurs, die Geschwindigkeit, Abtrift, Manöver, Segelführung, Witterung, ferner alle Peilungen. Mittags 12 Uhr wird das Besteck eingetragen.

Beim Einlaufen und Liegen im Hafen werden Einzelheiten zur Tätigkeit eines Lotsen, die Ankerverhältnisse im Hafen oder auf Reede, Wassertiefe, Ebbe- und Flutstrom notiert. Aufnahme ins Logbuch finden auch alle Aktivitäten, welche sich aus dem Seezeremoniell ergeben.

2012-04-26
Mäander
Dieser eine Typ, der lachte. Haha. Der war der Beste. Obwohl, dieser andere, der mir noch was erzählen wollte... der war auch nicht ganz schlecht. Die unzähligen Leute, die Bescheid wussten. Und dann, vor allem, die anderen. Die Blonde, die versehentlich meinen Blick fing (da hatte ich kurz nicht aufgepasst). Die wähnte sich so heiß in ihrem billigen Schlüpfer. Mein einer Lehrer, der so verdammt lange reden konnte. Der bei der entscheidenden Frage dann die Fassung verlor. Ähm, ja. Das… kann ich jetzt so aus dem Kopf… weiß ich auch nicht genau. Alles klar. Und die grauenerregend primitiven Naturwissenschaften. Die Gebrauchsanweisungen. Die Staubsauger. Technik. Die Einsen und Nullen. Vor allem die Nullen. Die Hinterhöfe übrigens auch. Die düsteren Ecken. Der versorgte Müll. Das ist dann wohl das Zuhause. Schön. Ganz ausgezeichnet. In irgendeinem Licht. Bestimmt.

Was gefaselt wird, muss gefaselt werden. Das Blatt ist eben weiß. Und, ganz ehrlich, ihr interessiert mich doch auch nicht.

Puffmütter, Freier, schwules Gesocks. Es stinkt so nach Pommes und Werbung in meinem Gehirn. Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich habe das nie gewusst. Schön. Ich habe Lust auf eine Katastrophe.

Nochmals: alle Erklärungen: löschen.


Jpg
2012-04-25
Mäander
Was ich an Leidenschaft übrig hatte. Alle meine hohen Gedanken. Die flogen zu dir. Ja. Doch. Soweit weiß ich es noch.

Meine Haut wollte immer zu deiner Haut. So viel steht fest. Und im Gespräch mit den Menschen fehlte mir jedes Mal deine Stimme (ich hab gar nicht zugehört; keine Ahnung, was die eigentlich sagten). In deinem Bett hätte ich fast mein Leben verschlafen. Dein Atem im Nacken: das war’s. Oh, ja… Der Himmel ist ein Haufen Fleisch und Knochen. Wie eine Süßigkeit verpackt. Ein hübscher Mund, dem ein Verliebter tiefe, freundliche Worte zutraut. Der Himmel ist Verständnis und Schönheit vermuten. Glauben, sogar. Obwohl es vielleicht stockdunkel ist. Und vollkommen still.

Meine Fresse, bin ich froh, dass das vorbei ist. Dass der mich nicht mehr reizt. Hier ist meine Haut: kalt, rau, giftig, mein Gott. Hier, in dem Bett, das allein steht. Hier ist das Schweigen, das niemanden rührt. Hier sind meine Gedanken: die kommen ganz ohne dich aus. Schon fast ganz ohne dich kommen die aus. Hier vergehen die Tage nach meinem Geschmack: in Blut, Scheiße und blanker Angst. Ehrlich, heftig, schnell. Ohne die seichten Träume, die aus deinem Kopf in meinen verfielen.

Morgen werde ich ein Kaninchen erschießen. Du wirst dann nicht da sein, um das zu verhindern. Aber über den Mantel, über den wirst du dich doch freuen. Später. Wenn’s kalt ist und die Mode dem mal wieder entspricht. So bist du nämlich. So bist du. So.

Du sollst der Schrottplatz sein für die Bilder, die mir nicht gelingen.


Jpg

2012-04-24
Mäander
Mein Arsch wird ein gutes Frühstück sein für die Würmer. Ja. Jetzt hab ich’s gesagt: Würmer. Und Arsch. Das ist wohl beides: nicht sehr en vogue. Ein bisschen sehr vertraulich. Ich weiß. Ja. Danke. Ich bin eine Million Jahre alt. Mein Knabengesicht, die straffe Haut. Zwei Falten, da wo das Lächeln sich bildet. Das ist natürlich ziemlich in Ordnung. Oder jung. Das ist die Zukunft. Oder was weiß ich. Wie auch immer man das nennen soll. Jedenfalls kann ich schon verstehen, wenn die Oppas, die notgeilen Frauen und Kinder behaupten, ich hätte alles noch vor mir. Und es ist mir auch gar nicht daran gelegen, sie zu widerlegen.

Überhaupt, warum ist Altsein neuerdings so unheimlich angesagt? Ist doch ganz gut so: dass man jung ist und noch alles werden kann. Dass noch nichts weiter passiert ist. Wahrscheinlich liegt es an dem Gestank. Wäre das möglich? An der sauren Haut, die sich von innen her auflöst. Daran könnte es schon liegen. Daran, dass es brennt im Gesicht. Dass man so deutlich die Verwesung spürt in seinem schönen, jugendlichen Körper, der immer erst abends erwacht. Die schlechten Säfte. Die Gedanken, die man selbst noch nicht richtig versteht. Die dunkle Ahnung. Dass es schon zwickt, hier und da. Und dass man, doch, so allein damit ist.

Jesus, du alter Trümmerhaufen, gib mir nur deine Art, so glorreich auseinanderzufallen. Den Rest will ich gar nicht. Oder gib mir ruhig alles außer das „Warum hast du mich verlassen?“. Gib mir die ganze Folklore, den lieblichen Schwachsinn, die Hoffnung, die nur für Irrsinnige ist. Vielleicht ein paar Hände. Her damit. Komm. Gib mir nur nicht den Markus. Das ist ein inkonsequentes Scheißstück, das ich nicht leiden kann.

Gib mir heute ein gutes Ende. Lass mich nicht wieder enttäuscht hier. Sag etwas Nettes, küss mich ein bisschen. Dass ich einschlafen kann. Sieh mir mein Gezeter nach. Weil ich heute krank bin. Yeah. Und klein.


Jpg
2012-04-21
Mäander
Was lässt sich denn über die Räume sagen… dass sie Wände hatten, vielleicht. Dass da eine Tür war. Ein Fenster womöglich. Dass mal eine Katze durchging. Ein paar Menschen wohl auch.

Aber sieben Tage später wusste ich ja schon nichts mehr davon. Das Licht wollte dann irgendwie nichts mehr zeigen. Die Dinge fielen mir so lose ins Auge. Unklar, ohne Kontur oder Tiefe. Ohne die schöne Gewalt. Sie wollten einfach nicht weiter. Und da drinnen war ja auch wirklich sehr wenig. Wie Selbsterhaltung. Triebe. Das bisschen Gedächtnis. Traurige Reste. Ziemlich weit unten die lasche Glut. Gerade genug für dieses Versprechen: Bald brennt hier die ganze Scheiße schon wieder. Bald spuckst du bestimmt wieder Feuer. Das wird ganz sicher werden. Du musst nur keine Angst haben. Ich werde den Kreislauf erhalten. Hier, nimm einen leichten Gedanken für unterwegs:

Man muss an einen sprachlosen, gewissen Verstand glauben. Die Erklärungen verführen immer zum Falschen. Sie sind immer dagegen. Sie nivellieren den Grund und/oder brechen den Raum runter. Dabei soll es doch ein Geheimnis sein. Das hier. Nicht? Wie das Universum, von dem wir nicht wissen dürfen, wie viele Dimensionen es eigentlich hat. Ein Strich, eine Farbe, eine Verbindung von Zeichen soll doch der Bewegung im Schlaf ähneln: genauso unanfechtbar muss das sein. Vielleicht noch etwas mehr: Wie wenn man sich umdreht, weil man im Rücken Blicke spürte. Obwohl das dann natürlich vollkommen unglaublich für alle anderen ist - dass da wirklich einer geguckt hat.

Wände, vielleicht. Eine Tür. Fenster. Katzen, Menschen. Ich weiß nicht.


Jpg
2012-04-14
Fang mich. Schnell. Fang mich auf.
Du Vogel, ich will dir die Luft verwirren. Ich will den Himmel bewegen: dass er dich fallen lässt. Ich will dich hart landen sehen. Mein Werk soll vernichtend sein. Ich will am aller liebsten eine sehr große Bombe bauen.
In einer Zeit, später, sollst du an mich denken müssen. Und dann soll mein Name klingen wie: Little Boy, Fat Man, Napalm. Wie Auschwitz. Auschwitz. Golgota. Dann soll es wehtun. Es soll dir alles wehtun. Mit Strahlenkrankheit, Gas, Feuer, Kreuz, Rauch und allem.
Wenigstens täuschen dich deine Instinkte nicht. Dass du meine Räume meidest, Feigling – eine Ahnung verrät's dir. Dass ich dein Feind bin. Und um dein Ende bemüht.
In Gedanken, vielleicht, sind wir manchmal schön. Kannst du mir das denn nicht lassen? Ich weiß: dass du hässlich bist und brutal, und dass du keine Sprache hast. Dass du alles verdrehst. Und dass du nicht wählst. Meine guten Seiten will ich von heute an mit dir nicht mehr teilen.
Fordere mich jetzt nicht heraus, Vogel. Mit deinen albernen Manövern. Ich kenne deinen Flug. Ich weiß, wo dein Nest ist. In meinem Schützenverein bin ich neuerdings König. Was mich am Himmel stört, das hole ich runter. Das Gewehr ist nach meinen eigenen Plänen gemacht.

Jpg
2012-04-13
tunichgut
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tunichgut



Fokuspuller
2012-04-12
Gregor Samsa
Wie einfach es doch manchmal wäre, sich einfach in einen Käfer, der auf seinen gepanzerten Rücken fällt, zu verwandeln.
Ein kleiner Fluchtgedanke.



emt
2012-04-06
Wenn ich einmal alt bin
Ich habe mir ein klares Bild von der Welt gemacht. Ich weiß, was wichtig ist. Ich bin ein erwachsener Mann. Und ich habe ein paar Spiele spielen gelernt. Zum Beispiel unter den Menschen. Ich weiß, wie man Freunde gewinnt. Ich kann mir Sklaven machen. Und ich weiß, wie man einen vernichtet. Es gibt keine Panik, von der ich nicht weiß. Kein Licht. Ich weiß überhaupt alles. Ich kann alles. Und was ich nicht kann, das braucht wirklich keiner. Wenn ich sterbe, geht die Welt mit mir unter. Gott frisst meine Scheiße wie andere Leute Kuchen. Ich freue mich jeden Morgen auf diesen Spiegel. Ich liebe mein zerfetztes Gesicht.

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2012-04-03
Mäander
Pass auf. Jetzt gleich passiert es. Gleich. Jetzt. Gleich.

Das Gewitter hatte nicht nachgelassen. Überhaupt nicht. Nicht einmal ein bisschen. Braungrau alles. Harte Kontraste. Feuchtwarm die Luft. Darin die Gerüche: Eisen und Fleisch. Schlafend. Oder bewusstlos. Die Augen geschlossen. In einem Trichter: der Mensch. Hier, dieser Mensch. Sein Name steht auf den Briefen, die an ihn adressiert sind. Aber er bekommt natürlich keine Briefe. Es gibt keine Post, kein Papier, keine Briefträger mehr. Deshalb braucht er auch keinen Namen. Und er wird auch nicht wieder aufwachen. Das kommt noch hinzu. Dass er nicht wieder aufwachen wird.

An einem Baum ein junges, obszön grünes Blatt. Gezappel. Es hält sich. Weiß nichts von dem Bild, das es abgibt. Hat nur die Gefäße. Fasern. Weiß nichts. Will nichts. Wird. Wird. Wird. In der Nähe ein Fenster. Hinter dem Fenster: kleiner Junge. Guckt sich das Blatt an. Langeweile. Sein Haus blieb verschont bis zuletzt. Kein Einschlag. Kein Feuer. Nicht einmal ein Kurzschluss. Gefühle in kleinem Jungen. Als das Blatt irgendwann aufgibt, zischend: Verpiss dich.

O, Mama, dein Name wird immer in Sätzen genannt, die nicht so gemeint sein können.

Auf einer Wiese, weit draußen vor der Stadt. Leichte Hände, oben auf dem hohen Gras. Sensorische Spielchen. Ach, guck mal, das hier. Oder das. Oder hier. Wie das ist, wenn man seinen nackten Zeh so in die Erde bohrt. Das Gesicht in den zaghaften Wind halten. Jedes einzelne Molekül zu spüren versuchen. Und wenn dann ein Fremder auftaucht. Und er kommt auf dich zu. Mehrere Sonnen probieren das Licht. Und du verfluchst die jüngste Geschichte. Deine empfindlich gemachte Haut.

Dann in der Kammer. Diese eine Sache, die nie richtig geputzt wurde. Die mit dem Muster, das man als Kind nicht verstand. Dort, außerdem, ein paar Knarren. Die natürlich neu sind. Und wer weiß, vielleicht schnappt man sich ja mal eine und geht vor die Tür. Vielleicht bewegt sich ja noch was. Vielleicht knallt man mal einen ab.

Oder auch dieser eine Typ, der mehrere Freunde hatte. Der, der eines Nachts auf die Idee kam, sie alle im Schlaf abzufackeln. Irgendwie so. Und dann die Gesichter der Brennenden. Wie sie den ansahen, der das Feuer gelegt hatte. Und wie der das dann empfand. Dass er sie zwei Mal töten konnte.

Ich werde noch auf das Gewitter zu sprechen kommen. Und auf den Krieg. Ich werde das mit dem Fremden näher erläutern. Und das mit dem Feuer. Ich werde allem Gesichter geben. Und Namen. Aber wenn ich das nicht mache, dann geh von einem erbärmlichen, langweiligen Allerweltsende in der eigenen Kotze aus, das es nicht wert ist, erzählt zu werden.

Pass auf. Jetzt gleich passiert es. Gleich. Jetzt. Gleich.


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2012-03-27
und und und und dann
Wichtig ist, dass wir auf diesem Planeten sind und keine Ahnung haben, wieso. Und wenn wir mal davon ausgehen, dass es wirklich keinen Grund dafür gibt und alles Zufall ist, dann müssen wir eben mit dem Gehirn umgehen, das diese und jene Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt. Und dann müssen wir herausfinden, wie wir so leben sollen. Und wenn das ansatzweise gelingt, müssen wir herausfinden, wie wir so leben sollen, und es versuchen. Und dann müssen wir vor die Tür gehen und den Leuten sagen, dass eigentlich gar nichts so wichtig ist. Und dann müssen wir lächeln.

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