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In das Logbuch (abgeleitet von Log, auch Logge; engl. log = [ursprünglich] Holzklotz) wird täglich alles auf die Seefahrt Bezughabende eingetragen und zwar: der gesteuerte Kurs, die Geschwindigkeit, Abtrift, Manöver, Segelführung, Witterung, ferner alle Peilungen. Mittags 12 Uhr wird das Besteck eingetragen.

Beim Einlaufen und Liegen im Hafen werden Einzelheiten zur Tätigkeit eines Lotsen, die Ankerverhältnisse im Hafen oder auf Reede, Wassertiefe, Ebbe- und Flutstrom notiert. Aufnahme ins Logbuch finden auch alle Aktivitäten, welche sich aus dem Seezeremoniell ergeben.

2012-08-24
Gregor räumt auf
In der Bahn neben mir schläft ein Mann, ein übergewichtiger Mann um die Mitte vierzig. Sein Körper dehnt sich zunehmend aus im Schlaf, ich weiche. Ich sitze verbogen, sitze kaum noch. Doch sein mächtiger Schenkel drängt immer ungehaltener in meine Richtung, drängt sich an mich. Spendet massige Wärme. Es wird Menschen geben, deren einzige Berührung die ungehaltenen Schenkel zufällig Mitreisender sind. In der Bahn sehe ich fast ausschließlich Pornodarsteller am Nachmittag. Angehende Pornodarsteller beiderlei Geschlechts. Fahrende Bilder. Ich sehe, die Männer haben gegenüber den Frauen mächtig aufgeholt. Als müssten sie einfach nur aufstehen, aus der Fahrt heraus eine beliebige Szene betreten und könnten dann direkt loslegen. Vorstellig wird mir ein kleines, aus rohen Latten gezimmertes Holztürchen. Ein ungebetenes Holztürchen, gefasst in einen Kasten, eine Wand, das ist nicht klar, eine ruhige, eine schmucklose Fläche. Ich lehne mich zurück, starre dieses Türchen an. Lange. Spüre, wie die Spannung ansteigt in mir, halte vor Spannung immer wieder kurz den Atem. Es wird aufspringen bestimmt, demnächst, und etwas wird daraus hervortreten. Ein verrückter Vogel wird mir ins Gesicht krächzen vielleicht. Ein irrer Vogel, über den ich dann gerne lachen werde. Etwas wird passieren. Ein Vogel aus einer Geschichte von früher vielleicht, aus der Zeit, einfacher überschaubarer Geschichten. Ein kleiner, bezaubernder Vogel bitte. Ich warte. ab
2012-08-20
la forêt
Je sens ton souffle qui me frôle le coup
Un pistolet chargé me caresse la joue
Tu me dis "cette fois c'est moi qui joue"



emt
2012-08-16
Sozialstaat
TV-RATGEBER: Sich bei der ARGE nicht melden? Das ist niemals gut. Krank sein... ist auch nicht gut. Aber sich deshalb nicht melden? Ich meine, man ist ja nicht etwa tot in der Zeit.

BK
2012-08-14
Ehrenfeld poliert.
O-Ton. Aufgeschnappt in einem dieser Wohnzimmerkaffees. Zwei Männekes unterhalten sich. Über Möbel.
DER LAIE: Das ist so subtil. Man guckt da drauf... und, und...
DER EXPERTE: ...Ja! Und man weiß gar nicht: War da schon ein Designer dran oder ist es noch Quatsch?

BK
2012-08-14
Mäander

Manchmal scheinen es nur noch wenige Schritte zu sein.

Bis?

Licht aus Steinen. Die Steine sind Blöcke. Wie die Schwarte von Krustenbraten. Aber das Bild stimmt nicht – sie sind glatt, feiner Staub liegt auf ihnen: Sandstein vielleicht. Dazu die glühende Luft.

Und?

Ein kleiner Teil von mir will unbedingt dorthin. Der viel größere betrachtet es wie etwas, zu dem es auf keinen Fall je kommen darf.

Man bringt sich nicht um.

Ich werde dort nicht sterben. Das ist ein Feuer, durch das man gehen kann. Ich werde dort meine Haut lassen. Meine Form. Erinnerungen werden sich verändern. Aber ich sterbe dort nicht.

Gut.

Ich weiß nicht, ob ich danach noch Freunde haben werde. Ich weiß, dass ich die Einsamkeit dort noch nicht kenne. Ich weiß nicht, ob es sich lohnt. Es besteht die Gefahr, es für immer zu bereuen. Ich habe Angst, weil ich nicht weiß, was dort aus mir wird.

Entweder du wirst ein Neuer oder du verlierst alles.

So ist es.

Wenn in einer Richtung ein Sturm aufzieht, kann man sich davor nicht schützen, indem man in eine andere schaut.

Ich weigere mich, das zu glauben, weil mir nichts Besseres einfällt.


Jpg
2012-07-23
Sie pfeifen es von den Dächern:

Friss Deine Finger auf.


Jpg
2012-07-21
freie Liebe
Kommunismus kann man auch aufbauen, indem man ein Volk moralisch fertig macht.



emt
2012-07-14
Der Duft der Arbeit
Wenn der Feldmann auf seinem Misthaufen steht, dann weiß er wieder, warum er seinen Beruf so liebt.


Fokuspuller
2012-06-20
Mäander
Wenn uns schwindelig wurde beim Anblick des Himmels. Wenn wir die unglaubliche Angst bekamen hineinzufallen, nachts, irgendwo draußen, die Erde dicht unter uns, die Sterne bestaunend und Ausschau haltend nach den Satelliten.

Bla bla bla.

Die Schwüle in unseren Betten. Das Feuchte. Das verwandelte Erwachen. Dass wir überwältigt waren von unseren eigenen Möglichkeiten.

Bla bla bla.

Was wir da lernten an den langen Nachmittagen im Sommer, wenn wir aufeinander saßen, in irgendeinem Park, bei den erwürfelten Gedanken, in die so ab und an, fast zufällig ein tiefer fiel. Oder im Winter, wenn wir in unseren Zimmern warten mussten, schwitzend vor Unterdrücktem. Später dann, die langen Stunden in parkenden Autos. Wie wir kaum über die Stadtgrenze hinaus kamen. Weil wir immer noch nicht weiter durften und weil wir kein Geld hatten für Benzin. Was wir da alles lernten, nur um es gleich wieder zu vergessen. Diese vielen kleinen und großen Dinge, die wir immer nur für kurze Zeit wussten. Wie wir nicht klüger werden wollten und uns allmählich ergaben.

Bla bla bla.

Die Gefahren, die wir uns schufen. Die falschen Worte und Blicke, die wir wagten. Die Provokationen. Die Einbrüche. Diebstähle. Sachbeschädigungen. Ein kleiner Verrat hier und da. Wie wir rannten. Die Drogen, die wir nahmen. Leichtsinnigkeiten. Veränderungen, die wir erzwingen wollten. Die Musik. Wie wir uns manchmal trauten zu tanzen.

Bla bla bla.

Was wir alles fallen ließen. Was wir anzündeten, wenn wir es über hatten. Wie süß der Rauch dann schmeckte. Und wie schnell jede Verletzung heilte.

Bla bla bla.

Diese Scheiße. Und noch viel mehr davon. Diese ganze, vor Jahren gekackte Scheiße.


Jpg
2012-06-16
fReitag
Das R des Tages pocht unterwegs. Supermarktkulisse. Pocht unermüdlich. Passagenkulisse. Die Einkäufe links geschultert. Pocht sengend. Viel Bewegung um mich herum. Bewegung ist die Normalität. Ein seltsames Gehege, in das wir da gekommen sind. Geordnet jagen, oftmals jagen ohne Grund. Laufend auf der Lauer liegen. Wild durcheinander, über Rolltreppen. Geregelt und jeder für sich. Nicke meiner Nachbarin zu. Sage: wer sich auf die Jagd nach einem Tiger macht, muss auch damit rechnen, einem zu begegnen. Sie lächelt, tut sie immer. Boulevardkulisse. Das einzig Reale ist heute die Frau, die vergangenen Winter eine Zeitlang vor unserer Haustüre genächtigt hat. In der kurzen Regenpause hat sie es sich gemütlich gemacht. Im Getümmel. An einen Baum gelehnt, die Beine ausgestreckt. Liegt dort wie ein Krokodil, ein sattes, altes. Schaut, lächelt. Nichts entgeht ihrem Blick. Unheimlich irgendwie. Auch ich nicht. Ihrem Blick. Halte mich ans Eingekaufte. Treppenhauskulisse, Wohnkulisse. Sicherheit. Tee? Mehr Kaffee? Ein Wort hier, ein Wort da. Kaugummi. Zeitung. Übliches Krisengewitter. Keinen Nerv dafür heute, nehme nur die Überschriften zu mir. Soll doch endlich explodieren der ganze Scheiß, uns so richtig um die Ohren fliegen. Spreu vom Weizen trennen und so weiter. Lieber endlich aufräumen. Hier immer nur ausharren, nicht müde, nicht wach. Lese vom Waldjungen. Bilder werden produziert dazu. Ich bitte, das zu unterlassen. Anderer Raum. Lade eine Seite hoch, sehe unbekannten Personen dabei zu, wie sie sich selbst befriedigen. Kreuz und quer durch die Welt geht das. Diese Personen sind offensichtlich nicht mehr ganz bei sich. Lasse mich dennoch anstecken davon, erfahrungsgemäß. Und gebe den Personen dabei ganz unsinnig reale Hintergründe. Orte, Berufe. Also Ostküste, Westküste zum Beispiel. London, Hamburg, Halle, Antwerpen. Graz. Gartenbau, Postbank. Sehe zu bis zum geht nicht mehr. Danach ist es mir widerlich. Erfahrungsgemäß. Es mir. Ich. Bla. Schäle Spargel. Verwöhn-Dich-Kulisse. Schäle Kartoffeln. Koche Spargel, koche Kartoffeln. Esse das beides dann auf. Allein. Dazu gibt es Zitronenbutter. Und Sommerregen. Wein aus der Heimat. Esse und denke dabei. Denkbar wäre auch ein paniertes Kalbsschnitzel gewesen. Fenchelsalat dazu. Oder ein Hühnerteil. Schenkel, mit Ofenkartoffeln. Pfannkuchen mit Schinkenwurst, Gurkensalat. Alles Möglichkeiten. Fertig. Lösche die Essmusik. Nicht müde, nicht wach. Trinke den Wein aus. Warte. Höre den Regen. Bis ich irgendwann endlich im Traum lande. Dort lachen wir. Wir sehen uns an und lachen. Halten uns kurz im Arm dabei. Vorm Fenster direkt liegt der Strand. In Texas ist das, daran erinnere ich mich, weil ein alter Schulkollege plötzlich auf meinem Mobilteil anruft. Psst! Ich gebe Dir Zeichen, einen Moment. Blicke aufs schäumende Meer hinaus. Hört sich betrunken an der Kollege, oder bekifft. Keine Ahnung, was der will von mir. Sage aber direkt: das wird teuer. ab