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In das Logbuch (abgeleitet von Log, auch Logge; engl. log = [ursprünglich] Holzklotz) wird täglich alles auf die Seefahrt Bezughabende eingetragen und zwar: der gesteuerte Kurs, die Geschwindigkeit, Abtrift, Manöver, Segelführung, Witterung, ferner alle Peilungen. Mittags 12 Uhr wird das Besteck eingetragen.

Beim Einlaufen und Liegen im Hafen werden Einzelheiten zur Tätigkeit eines Lotsen, die Ankerverhältnisse im Hafen oder auf Reede, Wassertiefe, Ebbe- und Flutstrom notiert. Aufnahme ins Logbuch finden auch alle Aktivitäten, welche sich aus dem Seezeremoniell ergeben.

2012-12-09
Geist zur Weihnacht

Die Strecke über Bochum
ist heute zum letzten Mal
danach ist Castrop.
Fünfeinhalb Jahre jetzt
im Sommer dann sechs
aber SAMSUNGtatütataP17
schön oder? Schön

Harthinterschale weiß
extra, passt genau
hundertneunundneunzig
möchte man nicht glauben
damit geht jetzt alles.
Aber nach sechs ist auch Schluss
- ich sage nichts dazu

Ob die Zeit ihr die Zähne
einzeln verdreht hat im Mund
das würde ich gerne wissen.
Ihre Augen flackern kurz
ihre Finger zittern etwas vor Kälte
vor dem möglichen Ausgang vielleicht
aus dieser peinlichen Welt

ab
2012-12-03
Adventsweisheit 1
Man muss es nicht nur in den Beinen, sondern auch zwischen den Beinen haben.



emt
2012-12-02
Zirkus

Der graue Peter
trägt eine Maske zur Nacht
und lässt Raubkatzen fauchen
auf Sperrmüllhockern

Eine Möwenbraut
gibt das Kommando
später ein Seppel
den keiner hier kennt

Das Krachlederne spannt
eine fleischliche Öffnung
liegt seltsam unbewacht
Tau semmelt vom Beckenrand
Showgirls bürsten den Boden
die Tageszeiten sind irrelevant
Sonne geht 1. in Dosen
2. in Milch geschäumt
und prinzipiell vor der Hand

ab
2012-11-25
Mäander

Immer wieder kommt der Mensch zu mir. Auf seiner Schaufel die frischen Reste irgendeines Feuers. Ich bin so müde. Trage ich doch meterhoch die Warnung auf der Stirn: Keine heiße Asche einfüllen.


Jpg
2012-11-08
keine Namen
Also, wenn ich im Leben noch mal ne Frau treffe, die Angelika heißt, dann hau ich ab. Ich hatte bislang drei Angelikas und bin jedes Mal auf die Fresse gefallen.

Oohlala, Angelique, Angeliqua, haha.

Wat gut, dass du Marion heißt...


emt
2012-09-18
Kleine Studie über die Trägheit
Geodreieck, Mittelformatfilm (belichtet), Tacker, Streichhölzer, selbstgemachter Stempel (ehemals Radiergummi), Kugelschreiber (funktionslos, vor Jahren von Mutter zu Weihnachten bekommen), Polaroidkassettenverpackung, Münzen, Gewebeband, Flyer, Schnapsglas, ein gelber Zettel auf dem das Wort Planszene steht, ein Stapel Papiere den ich nicht anrühren will, eine Palette Pastellkreide, drei Becher mit Stiften: Edding, Kugelschreiber, Copicmarker, Textilstift, Rotstift, Bleistifte, diverse Bunt- und Filzstifte, ferner drei Scheren, Kreisschneider, Cutter, Pinsel (eingetrocknet), Gummiband, Taschenmesser mit der Aufschrift law enforcement, Ram-Riegel, Armbändchen, Pinsel (funktionsfähig), ein Zettel auf den ich eine Sonne oder eine Blume gezeichnet habe, Locher, CD, Notizbuch, Paketband, Tesafilm, Sofortbildkamera, ein Flyer auf dem Fabian Sattler seine Adresse notiert hat, Papp- und Kappareste, eine leere Colaflasche in der eine heruntergebrannte Kerze steckt, zwei Weinflaschen in denen auch heruntergebrannte Kerzen stecken (eine mit, eine ohne Etikett), ein Foto auf dem eine Hand zu sehen ist, Stempelkissen, ein Foto auf dem ein Jungengesicht zu sehen ist, ein Zettel mit der Aufschrift ITTWA, ein Buch, eine Allerweltspflanze deren Namen ich immer noch nicht weiß, ein Topf in dem die Pflanze lebt, ein Teller auf dem der Topf steht in dem die Pflanze lebt -

Das sind nicht alle Gegenstände, die sich auf der Fensterbank in meinem Arbeitszimmer befinden. Ich habe das große Verlangen, etwas daraus zu lernen.


Jpg
2012-09-10
Gregor räumt auf
Ich knipse die Lampe an. Kein sichtbarer Effekt. Das Teil soll knapp vierzig kosten, und es überzeugt mich nicht wirklich im Moment. Warten Sie, sagt der Verkäufer, der meine Unsicherheit zu wittern scheint, ich zeige Ihnen ihr Licht einmal im Dunkeln. Und damit nimmt er die Lampe verblüffend umstandslos vom Netz und geht damit quer durch den Verkaufsraum vor mir her auf eine Tür zu. Ein sehr kleines fensterloses Büro verbirgt sich dahinter, kaum größer als ein Kabuff. Er geht vor und bittet mich zu sich herein, installiert die Lampe, zieht an meinem Oberkörper vorbei die Türe zu und löscht das Deckenlicht. Merkwürdig intim erscheint mir die Situation plötzlich, und das Licht, das die Lampe dabei auf die Tischplatte unter sich wirft, erscheint mir dann auch direkt sehr fragwürdig. Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Abstrus. Eine Weile betrachten wir schweigend das Licht. Vielleicht, weil das Licht nicht gemacht ist für eine Dunkelkammer, vielleicht, weil der Kontrast zwischen Tageslicht und dieser Kammer ungewöhnlich stark ausfällt, oder weil wir hier stehen, der Verkäufer und ich, dicht nebeneinander, geräuschlos atmend, und von oben auf die Lampe und das unter ihr ausgestreute Licht starren. Und ich den oberen Teil des Mannes neben mir eher spüre, als dass ich ihn tatsächlich sehen könnte. Und mir dazu dann auch noch eine Vampirszene in den Kopf gerät, ärgerlich. Ich nehme aus den Augenwinkeln lediglich ein sehr schwaches Funkeln seines goldfarbenen Brillengestells wahr, verscheuche den Vampir mit wilden Schlägen. Ich dürfe mich gerne auch einmal kurz setzen. Mit Schlägen und Tritten, und das Biest faucht und zischt vielleicht. Nein, sage ich, vielen Dank. Aber das erscheint mir doch noch etwas zu dunkel, sage ich, also relativ dunkel. Und empfinde meine Stimme in diesem Zusammenhang als laut und fremdartig. Als wäre sie in eine Pappschachtel gefallen, in eine große leere, käme sie mir vibrierend aus einer Schachtel. Nun, sagt der Verkäufer und macht das Deckenlicht wieder an, nun, das ist ja Unsinn. Eine Lampe, sagt er, macht immer relativ hell. Licht macht niemals relativ Dunkel. Und das ist natürlich richtig, ich nicke, ich sehe das sofort ein. Mir ist das peinlich, ich weiß nicht, was ich sagen soll. In diesem engen Raum fühle ich mich plötzlich absolut beklemmt. Wollen Sie sich vielleicht erst noch einmal bedenken? Ja, sage ich, das ist sicher das beste. Danke. Ich werde mich wohl bedenken. Dann bitte sehr. Er entlässt mich aus der Kammer, ich bedanke mich ein weiteres Mal und suche eilig Ausgang. ab
2012-09-01
Er hob seinen Stab
"Ich spreche ja nur so drum herum. Weißt du, ich fühl mich verdammt anständig."

"Sollst du auch."

"Weißt du, man fühlt sich irgendwie wohl, wenn man beschlossen hat, keine solche Hure zu sein."

"Ja."

"Das ist vielleicht das, was wir so an Stelle von Gott haben."

"Manche Leute haben Gott - eine ganze Menge."

"Bei mir hat er nie gut funktioniert."

"Möchtest du was süßes?"

"Himmel, nein."

"Wir wollen zwei Flaschen bestellen."

"Ach, wir hätten so glücklich zusammen sein können."

"Ja, wär schön gewesen."

(E.H.)


Fokuspuller
2012-08-28
Gregor räumt auf
Stundenlang liege ich auf dem Bett herum, auf der Matratze am Boden. Starre die Decke an, schließe die Augen um nicht immerzu die Decke anstarren zu müssen. Sehe, in der Bahn sind heute viele New Emotionals. Indies und Oudies. Verziehen kein Gesicht, starren, hören. Hören nicht, sehen nichts. Ich starre die Decke an. Sehe mir die jungen Emos genau an. Jeden einzeln. Unabhängig vom Geschlecht stelle ich eine bemerkenswerte Detailbesessenheit fest. Ich stelle für mich fest: All diese Emos werden von keinem inneren Aufruhr getrieben, von keiner Wut. Ich höre nicht, was sie hören, ihre Minen sind blickdicht. Ich glaube, auch von den männlichen Emos sind einige geschminkt. Alle haben sie gefärbte Haare. Die meisten sind mehrfach gepierct. Ich denke, sie werden sich fragen, ob sie sich noch ein Intimpiercing stechen lassen sollen. Vom nächsten Geld. Ob sie sich was Schickes stechen lassen sollen. Auf die Brust oder den Oberarm. Ob sie mal wieder einen grundlegenden Soundcheck machen sollten. Das treibt sie. Und eine unbestimmte Geilheit auf alles in dem sie sich spiegeln können. So denke ich mir das. ab
2012-08-27
Nicht meine Schuld ...
"Willst du was kaufen? Vielleicht ein hübscher ausgestopfter Hund gefällig?"

"Komm man, du bist blau."

"Reizende, hübsch ausgestopfte Hunde, würden deine Wohnung unbedingt verschönern."

"Los, komm!"

"Nur einen ausgestopften Hund, man kann sie stehenlassen oder auch mitnehmen. Hör mal, nur einen ausgestopften Hund, ja?"

"Los."

"Bedeutet dir alles in der Welt, sobald du ihn einmal gekauft hast. Einfacher Austausch der Werte. Du gibst ihnen Geld. Sie geben dir einen ausgestopften Hund."

"Wir kaufen einen auf dem Rückweg."

"Schön. Also, wie du willst. Weg zur Hölle mit ausgestopften Hunden gepflastert. Nicht meine Schuld."


Fokuspuller